26. November 2023 / Aus aller Welt

Arsch mit Augen: Wurm-Po entwickelt Gehirn und kann sehen

Vermehrung geht im Tierreich oft wundersame Wege. Ein Beispiel sind Würmer, bei denen sich das Hinterteil ablöst und eigenständig auf Partnersuche geht. Forscher haben genauer hingeschaut.

Megasyllis nipponica-Würmer können ihr Hinterteil ablösen.
von dpa

Ein Hintern, dem ein Gehirn und Augen wachsen - bei einem im Meer lebenden Wurm passiert das tatsächlich. Die hinteren Segmente der bis zu neun Zentimeter langen Tiere bekämen auch eigene Fühler und Schwimmborsten, berichtet ein japanisches Forschungsteam im Fachjournal «Scientific Reports». Irgendwann trenne sich das Hinterteil vom Rest des Körpers ab und schwimme als vieräugige Fortpflanzungseinheit auf der Suche nach einem Partner davon.

Von der Wurmart Megasyllis nipponica war bereits bekannt, dass sich das hintere Körperteil - gefüllt mit Eiern oder Spermien - zum Ablaichen ablöst. Das Team um Toru Miura von der Universität Tokio sah sich diesen Prozess nun im Detail an. Der Kopf mit Augen und Fühlern entsteht demnach während die Segmente noch am ursprünglichen Körper befestigt sind. Bevor sich der Ausläufer ablöse, entwickle er zudem eine Art Gehirn, mit dem er selbstständig fühlen und handeln könne.

Sogar einen einfachen Verdauungstrakt besitzen die eigenständig werdenden Anhängsel, wie das Forschungsteam berichtet. Ihre zwei Augenpaare seien gar größer als die des Muttertieres - vermutlich für eine bessere Helligkeitswahrnehmung. Ihre kurzen Fühler dienten wahrscheinlich dem Empfang sogenannter Pheromone - spezieller Botenstoffe anderer Ausläufer, die potenzielle Partner sind.

Was im Wurm bestimmt, ob im Hinterteil Eier oder Spermien eingelagert werden, lässt sich den Forschenden zufolge noch nicht gesichert sagen. Klar ist hingegen, dass der Prozess kein einmaliger ist: Die Würmer können weitere Ausläufer entwickeln.

Doch warum gehen Wurm und Wurm-Fortpflanzungseinheit überhaupt getrennte Wege? Das Forschungsteam mutmaßt, dass sich ein Tier über an verschiedenen Orten abgetrennte Ausläufer besser verbreiten könne. Zudem bleibe das Muttertier verschont, wenn die Fortpflanzungseinheit zu ihrer riskanten Suche nach einem Partner starte und dabei zur Beute werde.


Bildnachweis: © Toru Miura/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Der perfekte Schulranzen für Schulanfänger
Blog

Der erste Schultag steht vor der Tür! Erfahre, worauf du beim Schulranzen-Kauf achten solltest mit Tipps, Empfehlungen und Sicherheitsaspekten

weiterlesen...
Hinter den Kulissen: PSH Physiotherapie
Partner News

Einblicke in die Welt der Physiotherapie: Betty Schreiner & Bastian Hellmich im Interview über Ihren Werdegang, Erfolge und Visionen für die Zukunft

weiterlesen...
Etliche Großstädte ohne Public Viewing zur EM
Aus aller Welt

In Fußball-Deutschland steht Public Viewing für kultiges Rudelkucken auf prall gefüllten Innenstadt-Plätzen. Doch diesmal winken etliche Großstädte beim Thema EM-Massenevent ab.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Mann will Molotowcocktail zünden - Polizei schießt
Aus aller Welt

Ein Mann droht Polizisten nahe der Hamburger Reeperbahn, wo in der Nähe gerade noch Tausende niederländische Fußballfans durch die Straßen zogen, mit einer Spitzhacke und einem Molotowcocktail. Die Beamten greifen zur Waffe.

weiterlesen...
Ausgebüxte Kuh zwei Mal von Polizeiwagen gerammt
Aus aller Welt

«Es sah aus, als wollten sie sie töten»: Mit ihrem Dienstauto stoppen Beamte in Großbritannien eine entlaufene Kuh. Ein Video des Vorfalls sorgt für Empörung. Auch der Innenminister schaltet sich ein.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Mann will Molotowcocktail zünden - Polizei schießt
Aus aller Welt

Ein Mann droht Polizisten nahe der Hamburger Reeperbahn, wo in der Nähe gerade noch Tausende niederländische Fußballfans durch die Straßen zogen, mit einer Spitzhacke und einem Molotowcocktail. Die Beamten greifen zur Waffe.

weiterlesen...
Ausgebüxte Kuh zwei Mal von Polizeiwagen gerammt
Aus aller Welt

«Es sah aus, als wollten sie sie töten»: Mit ihrem Dienstauto stoppen Beamte in Großbritannien eine entlaufene Kuh. Ein Video des Vorfalls sorgt für Empörung. Auch der Innenminister schaltet sich ein.

weiterlesen...